Zuerst veröffentlicht in: EKKEHARD, Familien- und regionalgeschichtl. Forschungen, Hallische Familienforscher, Neue Folge 5 (1998) Heft 4, S. 112ff

Ausgerechnet Polleben! Ein kleines, verschlafenes Dorf, 7 km nordöstlich von Eisleben. Ein Jahrhundert lang, von 1730 bis 1837, ist es für einige meiner Vorfahren der Mittel­punkt der Welt.

Zuerst veröffentlicht in: EKKEHARD; Familien- und regionalgeschichtliche Forschungen, Hallische Familienforscher "EKKEHARD" e.V. , Neue Folge 12 (2005), Heft 3
Alte Kochbücher sind beliebt. Und historische Gasthäuser laden zu traditionellem Schmaus. Es ist erheiternd, in die Vergangenheit der Essgewohnheiten zu blicken. Trotzdem: Soviel wir auch über die Küche unserer Vorfahren forschen: wie es ihnen wirklich geschmeckt hat, wissen wir doch nicht.
Am 27. Juni 1773 wurde auf der Pfarre in Polleben getafelt. Die Abrechnung über die Zutaten zu diesem Festessen ist erhalten. Sie ist deswegen erhalten, weil sie strittig war. War das Festessen zur Einführung des Pfarrers Andreas Valentin Leberecht Schmidt wirklich so teuer gewesen? Wo waren die Belege? "vacat", d.h. "fehlt" steht anklagend hinter vielen Posten. Aber vor allem: Wer durfte diese Ausgaben genehmigen? Wer war der Herr der Stephanus-Kirche von Polleben?

Zuerst veröffentlicht in: EKKEHARD, Familien- und regionalgeschichtl. Forschungen, Hallische Familienforscher, Neue Folge 9 (2002), Heft 2, S. 36ff

Meine Vorfahrin Johanna Louise Friederica Ramdohr ist eine echte Pastorentochter. Ihr Vater ist der Pfarrer Friedrich Christian Carl Ramdohr in Polleben, nordöstlich von Eisleben. Als sie geboren wird am 31. Januar 1791, ist ihr Vater schon 5 Jahre dort im Amt. Man kann annehmen, dass er sich eingearbeitet hat. Ihre Mutter, Johanna Erdmuthe Friederica Ramdohr, lebt schon seit ihren Kinderjahren nicht nur in Polleben, sondern auch in diesem Pfarrhaus, das zur St. Stephani-Kirche gehört. Sie ist nämlich auch eine Pastorentochter. Ihr Vater - und damit der Großvater mütterlicherseits der kleinen Johanna - war der Vorgänger Ramdohrs, Andreas Valentin Leberecht Schmidt. Die Großmutter mütterlicherseits, Marie Elisabeth Schmidt, lebt noch, vielleicht sogar im Pfarrhaus. Und ist ihrerseits eine Pastorentochter, nämlich Tochter des Pastors von Nelben Johann Friedrich Eisfeld. Dass Johannas Vater Friedrich Carl Christian ein Pastorensohn ist, wundert dann gar nicht mehr. Und der Ehemann der Schwester des Vaters, Niemeyer, ist Pastor in der Neustadt von Aschersleben.Wohin die kleine Johanna in ihren Kinderjahren blickt: alles Pastoren und Pastorentöchter.

Zuerst veröffentlicht in: EKKEHARD, Familien- und regionalgeschichtliche Forschungen, Hallische Familienforscher "EKKEHARD" e.V., Neue Folge 9 (2002), Heft 1, S. 16

Für manche Menschen ist es belustigend, wenn mein Mann Franz erzählt, dass nicht nur sein Vater und Großvater, sondern auch sein Urgroßvater schon Lehrer gewesen sind. "Franz Lippold, Schuldirektor in Leitelshain", pflegt er dann lächelnd zu zitieren. Das galt 1892 bis 1902. Franz, der Urenkel, ist von 1977 - 1987 Direktor eines Hamburger Gymnasiums und 1987 - 1993 Direktor der Deutschen Schule in Istanbul gewesen. Ob Joseph Gotthilf Benjamin Liebscher ein ebensolches Lächeln hatte für die Lehrertradition in seiner Familie? Sein Vater Johann Gottlob, sein Großvater Johann Gottlob, sein Urgroßvater Johann Christian waren Schuldiener und Kantoren gewesen. Dazu hatten auch sein Großvater mütterlicherseits Johann Bartholomäus Heise, sein Urgroßvater großmütterlicherseits Christoph Tänzer und sein Ururgroßvater urgroßmütterlicherseits Johann Heinrich Köchel als Schulmeister ihren Lebensunterhalt gewonnen.

Zuerst veröffentlicht in: EKKEHARD, Familien- und regionalgeschichtliche Forschungen, Hallische Familienforscher "EKKEHARD" e.V.Neue Folge 10 (2003), Heft 1

Joseph Gotthilf Benjamin Liebscher und Johanna Louise Friederike, geb. Ramdohr

Am 22. 11. 1994 steige ich abends kurz vor acht Uhr aus dem Zug: Brandenburg Hauptbahnhof. Ein düsterer Ort, Pfützen, kalter Wind, kaum Beleuchtung, viele Bauzäune und Umwege für die Reisenden, denn der Bahnhof soll schöner werden im Vereinten Deutschland.

Vor dem Bahnhof ein Aufmarschplatz aus DDR-Zeiten, breite Straßen, die vor Dunkelheit und Leere gähnen. Wo ist die Altstadt Brandenburg? Ich nehme ein Taxi, obwohl der Weg nicht weit sein kann zur Steinstraße und dem Café Blaudruck, wo ich wohne.

Heute vor genau 180 Jahren ist in dieser Stadt Brandenburg einer meiner acht Ururgroßväter geboren worden. Sicher war es ähnlich dunkel, nass und kalt, aber kein Bahnhof, kein Taxi. Im gemütlichen Café schaue ich die jungen Frauen an, jung wie die Erstgebärende damals, meine Urur-Urgroßmutter Johanna Louise Friederike Liebscher, geborene Ramdohr mit ihren 23 Jahren. Wer mag ihr beigestanden haben in ihren Kindsnöten, hier, weit weg von Polleben, von Mutter, Schwestern und Tanten? Bei Bier und Wurstplatte feiere ich sinnend die Geburt von Friedrich Heinrich Franz Liebscher, meinem Vorfahren, Sohn dieser Stadt.

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